Zwischenächzen.

SPLITTERFASERN, SCHERBENLICHTER, TOTGESAGTES – fein säuberlich aufgereiht.

Das Ächzen singt mit wackeliger Stimme von Zerrissenem und trotzdem Leuchtendem, von gebrochenen Dingen, die immer noch tanzen, vom Versagen mit einem Lächeln auf den Lippen.

Picture blog is: http://speakingshards.tumblr.com/


Filed in: Egonutte

4 Anmerkungen

[»Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.« F.K.]

Ich wurde zu diesem ›Frage-Tag-Spiel‹ eingeladen und möchte auch gerne antworten, werde aber selbst niemanden taggen. – Am Ende meines Eintrags werde ich ein paar Fragen stellen. Wer auch immer sie beantworten möchte, kann das gerne tun und mir Bescheid sagen, aber ich will niemanden direkt bestimmen.

 

Die ersten Fragen kommen von minusgold:

Was bereust du?

Selbstverleugnung, Verschwendung von Zeit, Potential und Geduld [an die falschen Menschen], Verblassenlassen, Zuvielüberlegen, Garnichtüberlegen, zu viel Hass, zu viel Zwänge, zu viele Ängste, Hinuntergeschlucktes, manche Lügen und manche Wahrheiten, Unterlassenes.

Wer hat dich in Krisen begleitet?

Mein Bücherregal und meine Musiksammlung und meine Schreibutensilien.

Welches ist dein liebstes Gedicht, und wieso?

[Absolute Totschlagfrage. Sich hier zu beschränken, tut weh, aber ich will auch nicht gleich gar keins nennen.]

Von Charles Bukowski: ›Versuch’s doch mal so‹ besonders wegen »Nenn es Liebe / Stell es hin im letzten / Tageslicht / […] Nenn es Liebe / Steck es auf einen Spieß / […] Und schlag dich kotzend / Seitwärts in die Büsche« / / sowie ›Wenn du darauf wartest, dass der Morgen durchs Fenster kriecht wie ein Einbrecher, der dir ans Leben will‹ besonders wegen »und das Gras / in unseren Hirnen / wirft sich / singend / dem Messer / entgegen.« / / sowie ›Bohnen mit Knoblauch‹, ›Bildet euch bloß nichts drauf ein‹, ›Wahnsinn‹ und ›Mama‹ wegen allem.

Von Charles Baudelaire: ›Anywhere Out oft he World. Nur nicht auf dieser Welt‹ besonders wegen »Bist du denn an einem solchen Punkt der Erstarrung angelangt, dass du nur noch an deinem Leiden Gefallen findest?«

Von Gottfried Benn: ›Der Sänger‹ besonders wegen »stündlich webt er im Ganzen / drängend zum Traum des Gedichts / seine schweren Substanzen / selten und langsam ins Nichts« / / sowie ›In einer Nacht‹, ›Nebel‹, ›Curettage‹, ›Synthese‹ und ›Morgue‹ wegen allem.

Von Silvia Plath: ›Poppies in July‹ besonders wegen »You flicker. I cannot touch you. / I put my hands among the flames. Nothing burns. / […] If my mouth could marry a hurt like that.«

Von Else Lasker-Schüler: ›Das Lied meines Lebens‹ besonders wegen »Sieh in mein verwandertes Gesicht. / Alle meine Blumenwege / führen auf dunkle Gewässer.« / / sowie ›Giselherr dem Heiden‹ besonders wegen »Sieh meine Farben, / schwarz und stern. / Und mag den kühlen Tag nicht, / der hat ein Glasauge. / Alles ist tot, nur du und ich nicht.« / / sowie ›Unser Liebeslied‹, ›Ein Trauerlied‹, ›Der letzte Stern‹, ›Kühle‹, ›Abend‹ und ›Weltflucht‹ wegen allem.

Von Hermann Hesse: ›Ich bin ein Stern‹ besonders wegen »vom Stolz erzogen, vom Stolz belogen, / ich bin der König ohne Land.«

Von Paul Celan: ›Brandmal‹ besonders wegen »und ich legte ihr ein Aug in den Schoß und flocht dir das andere ins Haar / und schlang zwischen beide die Zündschnur, die offene Ader« / / sowie ›Sprich auch du‹ wegen allem.

Von Peter Engel: ›Tägliche Zeile‹, ebenfalls wegen allem.

[Und der Rest, ohgott, der ganze ungenannte Rest!]

Worauf freust du dich zurzeit?

Auf den Sommer, vermutlich zum ersten Mal in meinem Leben, und die damit verbundenen Festivals, auf Musik, Erfahrungen, Gemeinsamkeiten, unbequem Schlafen und das alles mit dem Herzmenschen; auf neue Bücher, neue Kunst und eine neue Art des Taumelns; auf weitere Erkenntnisse und einen neuen Lebensabschnitt, einen besseren; auf nachher.

Wann ist jemand tiefgründig?

Einen Menschen, dessen Gedanken wuchern, ohne dass er sie sofort mitteilen muss, der auch sich selbst immer wieder hinterfragt und neu kennenlernen möchte, jemanden, der aus seinen Gedanken wirklich schöpfen kann, der hinter die Oberfläche sieht, der sich mit Kunst und den Menschen beschäftigt, Manipulation erkennt, die Welt liebt, hasst, bewundert, so einen würde ich wohl tiefsinnig nennen.

Welche Art der Kunst bevorzugst du, um dich auszudrücken?

Buchstaben. Und in Abständen Bilder. Aber immerimmer das Wort.

Ein Stück aus deiner Kindheit, das du noch immer bei dir hast?

Scham.

Was ist dir am wertvollsten?

Der Herzmensch. Außerdem: Andere körperlos berühren und berührt werden, Musik, Literatur, Kunst.

Was sammelst du?

Zitate, Bücher, Fotografien, Briefe, Musik, Bilder, Wunden.

Wann denkst du, ist man erwachsen?

Vielleicht wenn man eine gewisse Ausgeglichenheit erlangt hat, die aus Selbstreflexion her rührt. Ich meine damit kein Abgestumpftsein, sondern Reife, Erkenntnis von sich selbst und anderen, gemilderte Radikalität, da die eigentlich immer mit Verantwortungslosigkeit einhergeht.

Worauf bist du neidisch?

Auf zu vieles, auf alles, auf das Außer-Ich.

 

Und dann noch einmal vom meermaedchen:

Was ist deine schönste Erinnerung?

Die ist vergleichsweise so frisch, dass ich sie [noch] mit niemandem teilen möchte. Das muss noch eine Weile hinter meinem Schädel wuchern, bevor ich es nach draußen lasse.

Welches Buch empfindest du am prägendsten?

[Totschlagfrage #2. Versuch einer Antwort.]

Friedrich Nietzsche − Gesamtausgabe, aber besonders: ›Jenseits von Gut und Böse‹

Charles Baudelaire – ›Pariser Spleen‹

Charles Orwell − ›1984‹

Anthony Burgess − ›A Clockwork Orange‹

Fjodor Dostojewski − ›Aufzeichnungen aus dem Kellerloch‹

Peter Stamm − ›Wir fliegen‹

Aldous Huxley − ›Schöne neue Welt‹

Richard Dawkins – ›Der Gotteswahn‹ [damals]

Wie definierst du Ästhetik?

[Wichtig: Der Unterschied zwischen Ästhetik und Schönheit.] Da es die Lehre von Schönheit sein soll, kann ich keine Definition von Ästhetik finden, da sie etwas lehren soll, was nicht in Gesetze gefasst werden kann.

[Eine andere Frage wäre gewesen, was ich persönlich als ästhetisch empfinde.]

In welcher Welt lebst du?

In einer großen, vollen, furchtbaren, herrlichen, atemberaubenden, bis zum Ende interessanten Welt, die ich nur zu einem Bruchteil erfassen kann; eine Welt, die ich immer wieder mit Unwahrheiten spicke und manchmal sogar mit anderen Menschen; eine Welt, die sich lohnt.

Wodurch wird man erwachsen?

Durch Erkenntnisse, denke ich. [s.o.]

Tee oder Kaffee?

Tee [!], immer.

Was ist Glück?

Angekommensein, in ›sich selbst‹ und in der Welt [nicht im Sinne von gezwungener Anpassung!], sondern Akzeptanz und Akzeptiertwerden, ›Eintracht‹.

Und was Unglück?

Zerrissensein, Zwang, von innen und von außen, Ängste.

Wie sieht der Himmel über dir aus?

Gerade eben fastschwarz, dicht, nässend, voll.

Was bedeutet dein Name?

Die paar Buchstaben in meinem Personalausweis bedeuten Anmut, Liebreiz und wohl auch Gnade.

Auf Tumblr meine ich das [von mir] Ungesagte, Unausgesprochene, das Ächzende, über das ich allerdings ›mit mir selbst‹ schon unzählige Male geredet habe, was ich somit quasi ›totgesagt‹ habe, obwohl es eigentlich nie laut artikuliert wurde, somit eigentlich eine ›Tot-Geburt‹ ist, das Stille, das Kratzende, das zwischen den Gedanken, den Zeilen, den Worten ächzt, etwas, das sich in Splittern gebären will, was sich nach Scherben anfühlt, aber manchmal trotzdem leuchten, leben kann, das, von dem man behauptet, es  lohne sich nicht, beschrieben zu werden.

Was bereust du?

s.o.

 

Und zum Abschied noch sieben willkürlich gerichtete Fragen von mir:

1. Was war dein größter Fortschritt/Erfolg im letzten Jahr? 2. Würdest du lieber alles Visuelle oder alles Auditive verlieren? 3. Glaubst du, am Ende deines Lebens würde sich eine Autobiographie lohnen? 4. Was war das Schmerzhafteste, was dir jemals jemand gesagt hat? 5. Vertraust du einer bestimmten anderen Person voll und ganz? Warum? Warum nicht? 6. Was fasst du am liebsten an? 7. Wovor hast du im Moment am meisten Angst?


Filed in: Schreibfunken Innereien

7 Anmerkungen

Vielleicht ist das der Grund, warum du Nebel liebst, und Schnee und Graupel und Gewitterbersten, geklüftete Gebirge und krumme Altwälder − vielleicht willst du verloren gehen zwischen fremder Undurchdringlichkeit. In Gesprächen wünschtest du, Donnersplitter übertönten alles, in Menschenmengen sehnst du dich nach Naturkatastrophen.

Welche Hoffnung hast du in den Untergang?

Du wendest dich ab, weil du dich in anderen Gesichtern wiedererkennst, in anderen Häuten. Wenn sie fahrig ihre Pullover klauben, fängst du an zu zittern. Was für Angst du doch davor hast, an dich selbst erinnert zu werden. Egal wie lange du dich vor dein Spiegelbild stellst – du erschrickst bei jedem Blinzeln, bei jeder Sekunde Leben.

Warum gefrierst du im Angesicht deiner blaustummen Lippenkrusten?

Du glaubst, mehr Leck als Stoff zu sein und kein Ton kann diesen Makel füllen. Leg‘ dir Sturmgeheul hinein, stopf‘ es mit Lawinenchaos, damit du deinen Herzschlag nicht mehr hören kannst. Wenn jemand seine Hand auf dein Sternum legt, willst du fliehen, weil es sich nach Rettung anfühlt.

 

Vielleicht hast du dir das Heimweh nach Ferne selbst in die Knochen gelegt. 


Filed in: Schreibfunken Innereien Überschrift zitiert aus Hardest of Hearts

8 Anmerkungen

“We all need something to hold in the night / We don’t care if it hurts when we’re holding too tight.”

Die Blätter neigen sich schwer unter Regenbrüchen, die nach saurer Milch riechen, und ich kann vor Tropfenchaos kaum die Augen öffnen. Zwischen nassem Gräserneigen kommt es mir so vor, als versuchte der Regen deine Berührungen zu imitieren. [Tut es schon weh?] Aus meinem Pharynx will ein Satz heraus, den ich in Wolkenwasser ertrinken lasse. Das Sprechen kratzt mir immer noch im Hirn – ich weiß nichts zu sagen, obwohl ich Epen für dich parat habe. Die alte Angst, sofort unbewusst zu lügen, sobald mir ein Laut über die Lippen dringt, will einfach nicht verschwinden. [Das Maul gehört der Unwahrheit.]

Ich lasse mir Tropfen auf die Iris fallen, um meine eigene Illusion durchschauen zu können, aber ich bin zu müde, um die Lider aufzuhalten. Mein Gesicht neigt sich den Blumenleichen nach. [Und die Stirn bricht stumm.] Mir rieselt Erkenntnis in den Schädel. Noch nie habe ich den Term Fürimmer an mich heran gelassen, aber hinter diesen Regenwimpern denke ich mir sachte, fremdes Lichterächzen in meinen Rippenbogen zu lassen, wäre sicherlich angenehm.

Während ich den Kopf fallen lasse, streife ich mit müden Lippen ein welkes Lilienblatt und wünsche mir ganz kurz, ich könnte ebenso über einem anderen Schlüsselbein wachsen und vielleicht irgendwann leise dort verdorren. [Lilien haben keine Dornen, weil sie lieber ermordet werden, als allein zu sterben.]


1 Anmerkung

[Das ‘Frage-Tag-Spiel’ ist übrigens auch bei mir angekommen - ich antworte bald, Mittwoch vielleicht, wenn ich wieder in meiner Wohnung bin und die Zeit finde, hoffentlich zumindest, aber ich antworte bestimmt.]


Filed in: Schreibfunken Liedtitel zitiert Soap&Skin

8 Anmerkungen

“Ich trink auf dich dutzende Flaschen Wein.”

[für J.]

 

Hier, wo ich schreibe, ist die Luft voll und hart und klar und nur manchmal heftet sich mir alter Rost an die Atemwege, der noch ein wenig nach χάος schmeckt. Es überschlägt sich in mir, es will mir manchmal die Worte rauben, aber ich habe etwas gefunden, was mir immer wieder rhythmisch den Brustkorb aufstampft und Sauerstoff in meine Lunge wuchtet. Aus einem Geflecht aus verstopften Morastvenen heraus habe ich atmen gelernt.

Und hier, wo ich lebe, habe ich über lange Zeit Ängste, Ekel und Schmerz gesammelt, habe mir Gift in die eigenen Synapsen gespritzt und mich in Süchte hineingesehnt, weil ich mir das Ich zerlodern wollte. Alles war ein Kratzen, ein Reißen, ein Brennen, Schaben und Erbrechen. Aber statt Haarbüscheln ziehe ich mir inzwischen ein Lachen aus der Kehle; ab und zu. Ich wurzle noch nicht tief, ich züchte mir in Abständen noch Maden heran und mein eigenes Lachen lässt mich zusammenzucken, doch ich konnte noch nie so beruhigt die Augen schließen wie jetzt. Hinter meinen Lidern wabert etwas, das nach Linderung schmeckt.

 

[Meine liebe J., deine Worte sind mir näher als jede andere Poesie; dein Blog ein Fixstern. Ich hoffe, da, wo du Buchstaben zusammenklaubst, wächst die Welt so, wie sie dir gefällt. Von deinem Gold gibt es nichts zu subtrahieren.]


Filed in: Schreibfunken Zwischenmenschen

8 Anmerkungen

[Ich hab‘ Heimweh nach dir und Blut im Gaumen; das ist alles, was ich weiß.]

 

Die aufgeschlagenen Knöchel krusten langsam, sodass meine Hand wieder in deiner verschwinden kann. Heile, heile, Katzendreck. In meinem Skelett rasten einzwei Dinge ein und Leben fühlt sich plötzlich angenehmer an, ehrlicher. Meine Knochen dürfen knarzen, ohne sich ihrer Zerbrechlichkeit schämen zu müssen.

Du legst mir dein Buch unters Kopfkissen und ich will dich lesen lernen, indem ich meine Stirn gegen deine Rippen schmiere. Wenn mein Handgelenk neben deinem Sternum zur Ruhe kommt, fühlt es sich manchmal so an, als verhedderte sich meine Arterie mit deinem zuckenden Kardialmuskel.

 

[Mach‘ endlich die Augen auf, erheb‘ dich vom Asphalt und zerkratz deine Morastzweifel.]


Filed in: Poesiekratzer Innereien

6 Anmerkungen

Mit aufgerafelten Augen sehe ich das

Faserblut am Rand meiner Wörter;

ich will es ausspeien und bestatten,

damit es unter Granit gerinnen kann.

 

Aus Spiegelsphären rauscht mich ein Gesicht an, das mir in meiner eigenen Stimme ein Requiem singen will. −  Ich höre plötzlich nichts,

nichts anderes mehr.

 

Mit einem zerschlammten Hirn denke ich

mir eine Winterwüste nach der anderen,

damit ich im Eis splittern kann,

damit ich das Stolpern nicht verlerne.

 

Aus falschen Zukünften echot sich mir ein Ichliebedich entgegen, das geglaubt werden will. − Ich höre plötzlich alles,

alles ganz undeutlich.


Filed in: zitiert paul celan Poesiekratzer

3 Anmerkungen

"[…] der Dorn
wirbt um die Wunde, es läutet
darin, es ist Abend, das Nichts
rollt seine Meere zur Andacht,
das Blutsegel hält auf dich zu.
"

Paul Celan, aus ‘Matière de Bretagne’


Filed in: Schreibfunken Zwischenmenschen

12 Anmerkungen

Wie heißt er? Wo kommt er her? Was machen seine Eltern? Hat er Geschwister? Wie alt ist er? Wo arbeitet er? Wohnt er allein? Hat er einen Führerschein und ein Auto? Wie groß ist er?

fragen sie,

aber was du beantworten möchtest, wäre

Welche Ängste hat er dir genommen? Bist du dieselbe wie zuvor? Hat er dein Leben größer gemacht? Was kostet dich seine Anwesenheit? Ab wann hast du ihm vertraut? Bist du angekommen? Was schenkst du ihm freiwillig und was gibst du zusätzlich ab? Denkst du plötzlich weiter als sieben Monate? Pumpt dir nun etwas anderes als Melancholie und [Selbst-]Hass durch die Venen? Kannst du den Kopf, dein Hirn, in ihn fallen lassen?


Filed in: Schreibfunken Zwischenmenschen Innereien

5 Anmerkungen

Du kämmst mir Altes aus den Wimpern, aber das Bittere schleimt sich mir noch immer in die Kehle. Ich hörte dich Kristallenes sagen, Klares, das trotzdem nicht trösten will und meine Blindheit nicht durchtrennen kann. Jeder Augenaufschlag kracht mir bis ins Hirn. Ich kann nicht sehen, weil sich meine Stirn der Vergangenheit entgegenwintert, die einfach nicht vernarben will. In meine Augen flechte ich mir Schlieren aus Röte; so eitere ich gen Zukunft.

[In der Ferne geht ein zerfaulter Gedanke umher, der sich nicht vermummen lässt: Was, wenn es zerbricht?]


Filed in: Schreibfunken Innereien

9 Anmerkungen

Ich kämpfe eine Schlacht nach der anderen, obwohl es keinen Krieg mehr gibt. Antiheld bin ich nur im Kopf – schon lange kroch kein Hämatom mehr unter meiner Haut entlang und ich schäme mich meiner Wundenlosigkeit. Wenn kein Dreck mehr in meinen Iriden kratzt, schabe ich stattdessen Rost aus dem Alten heraus, um etwas Bekanntes hinter meine Lider schmieren zu können. Ich reise nordwärts, damit der Frühling mich nicht erreicht, damit ich nicht zu blühen lerne, obwohl durch meine Synapsen bereits Knospen brechen. Ich bechere so viel Winter wie nur möglich in mein Ich, bechere meine Urnen voll.

 

Und eigentlich will ich gar nicht, dass wieder etwas stirbt.