Ich glaube, es muss eines der fürchterlichsten Gefühle sein, als Vater zu realisieren, dass man seine Tochter nicht hatte beschützen können, dass ein fremder Mann sie genommen und zerbrochen hat.
Mein Vater ist jetzt fünfundfünzig, ein Bauarbeiter, der Zeit seines Lebens körperlich gearbeitet hat, kräftig und gut gebaut, aber als er auf den Vierundzwanzigjährigen losging, der mich vergewaltigt hatte, war er zu alt, zu schwach, um ihn niederzuringen. Was muss es in einem zermalmen, wenn man das eigene Kind nicht retten kann, wenn man nicht zu zerstören vermag, was zerstörte? Er wurde mit dem Rücken auf den Boden gestoßen und ich sah einen Riesen fallen, aber er sah sich nur als Getier.
Ich höre ihn jeden Abend weinen seitdem, schlimmer als es mich in den Kissen zerreißt. Er bewegt sich, als sei es seine Schuld, als solle jemand ihn verprügeln und ich weiß nicht, wie ich ihm deutlich machen kann, dass ich überlebte, dass ich mich nicht niederringen lasse, wenn es doch genau das ist, was ich tue.
- Bücher.
- Dieses eine Album, dieses Lied, ihr wisst schon, welches ich meine.
- Sich in den Regen Stellen.
- Kunst, Gemälde, Fotografien, eine Ausstellung.
- Rennen bis es krampft.
- Waldmeere, Flussläufe, Gebirgsmonumente.
- Bis zur Endstation Fahren und Sehen, wie es sich dort lebt.
- Die Wohnung Umräumen.
- Sich an den Rand einer Menge Setzen, Beobachten und im Kopf den Menschen Geschichten Schenken.
- Eine Reise Planen, selbst wenn es nur ein Tag ist.
- Singen, das auch in Schreien übergehen darf.
- Eine Liste Machen mit Dingen , die helfen können, wenn es elend wird, wenn man zerreißen will.
Solange die Chance besteht,
dass meine wundgeschrienen Stimmbänder / die pflasterbekleideten Hände / die blaugeschlagenen Augenlider / meine Schürfhaut
fremde Finger finden werden,
die nicht davor zurückschrecken, mir nahe zu kommen,
die das Blut nicht scheuen
und mich aus der Galle heben,
solange darf ich Gedichte schreiben
und hoffen, dass es irgendwann meine eigenen Finger sind.
Es sind nicht die großen Dinge, die eine Beziehung zerbrechen lassen. - Jeder würde für den anderen sterben. Aber nicht jeder würde seine Haare aus dem Abfluss fischen oder seine eigene Meinung zurückstellen. Es sind die kleinen Dinge. - Wenn deine Taten im Haushalt nicht anerkannt werden, zum Beispiel. Oder wenn du auf einer Party erst deinen Satz zu Ende sprichst, bevor du deinen Partner zur Begrüßung küsst. Oder das eine Mal, wo du nach einem Streit nicht zurück ins Bett gekrochen kamst, sondern die Nacht lieber so allein wie nur möglich verbringen wolltest. Oder der Blick, als du einen Rückfall hattest und genau wusstest, dass der andere nicht würde helfen können, vor allem nicht er. Oder als du ungeduldig wurdest, weil du darauf warten musstest, dass der andere sich fertig anzieht und ihr deswegen den Bus verpasstet und es dir so vorkommt, als sei das dein Leben: Verpasstes. Oder als ihr euch schweigend auf dem Sofa gegenüber saßt, noch schlimmer, als ihr von einander abgewandt auf dem Sofa saßt. Oder wenn dein Partner weint, aber du nicht die Trauer, sondern einen stummen Vorwurf spürst und an nichts anderes denken kannst als Zerreißen und dich fragst, ob es auch so gekommen wäre, wenn du allein geblieben wärst.
Im Alltag liegen Sekunde um Sekunde Grausamkeiten, die unsere Hände stärker aufschmirgeln als Sandpapier, so rau, dass wir einander nicht mehr berühren können. Und die Frage ist, ob man es überhaupt noch will, wenn man die Risse sieht, die sich durchs eigene Fleisch ziehen.
[Ich schreibe dir eine Komödie, so traurig, dass alle Hirne weinen.]
Du versuchst, mich aufzumuntern, du sagst, ich solle es nicht so negativ sehen, und dass du es gut meinst, macht alles nur noch schlimmer. Drei verschiedene Antidepressiva haben es nicht heller gemacht, kein Kuss, kein Lachen hält länger als für den Moment. Die Haut will mich nicht in sich leben lassen.
[Mein Name ist Liebe, aber das ist nicht mein richtiger Name.]
Du sagst, du willst etwas Ewiges und ich ritze unsere Namen in das Meer, das sie fortspült und zerstäubt und für immer frisst. Kannst du nicht darüber lachen, wie wir uns bemühen, wie wir mit den Käferbeinchen strampeln, um über der Oberfläche zu bleiben? Wir klammern uns aneinander in der Hoffnung, der andere trägt uns ein Stück, drückt uns nicht unter und lässt die Luft in den Lungen. Aber keiner merkt, wie wir schon auf dem Meeresboden liegen, nur durch Schlick verbunden, Treibgut mit Tränen in den Augen.
[Wer jetzt noch lacht, muss ein Gott sein.]
[Ich hab euch alle furchtbar lieb und ich mag es unglaublich, wenn ihr mir Fragen stellt, aber auf meinem Schreibblog sammle ich so gerne mein Geschriebenes und wer von euch Lust hat, kann all die vielen, tollen Fragen ja vielleicht an meinen persönlichen Blog schicken. Wenn ihr wollt zumindest. Kuss, ihr Guten.]

- Ich bewege meinen Körper weder mehr als notwendig, noch beherrsche ich ein Instrument [wobei ich letzteres bedaure und ersteres mich nicht reizt]. Mit Uni, Nebenjob und Beziehung bleibt auch gar nicht mehr so viel Alleinzeit… Wenn ich nicht mit anderen Menschen auf Konzerte gehe [vielleicht so alle zwei Wochen] oder Filme/Serien schaue, lese und zeichne ich meist oder höre Musik - nicht “nur so nebenbei”, sondern tatsächlich “aktiv”, bewusst. /Danke für die lieben Worte. Und ihr immer mit eurem Buch. ♥
- Du Liebe. Ich schreibe in der Öffentlichkeit nur dann, wenn mir eben eine Idee kam, aber ich gehe z.B. nicht absichtlich in ein Café, um dort mein Notizheft zu füllen. D.h. die Blicke stören mich in dem Fall nicht, aber - wie schon einmal erklärt - ich nehme mir keine feste Schreibzeit vor, weswegen eben nur in Abständen etwas notiert wird.
- Uh, Tipps… Um ehrlich zu sein, brauchte ich selbst noch nie eine Motivation, da ich die aufgeschriebenen Erinnerungen wirklich schätze und ansonsten Angst hätte, all die wichtigen Kleinigkeiten zu vergessen. Ich schreibe nicht täglich, sondern oft zusammenfassend, also auch nicht nur abends, sondern wenn ich die Zeit habe und etwas geschah, was mir erhaltenswert vorkam. Ich glaube, es ist relativ hilfreich, wenn man das nicht auf Zwang jeden Abend tut, sondern nur bei Besonderheiten. Außerdem sind simple Auflistungen der Abläufe im Nachhinein nicht mehr besonders mitreißend - also lieber eine paar Überlegungen und Emotionen festhalten. Ich beginne viele Einträge mit Zitaten oder Lyrics und jeder Tag hat eine “Überschrift”, das macht es für mich kontrollierter und interessanter. Tagebuch führe ich übrigens ausschließlich am PC und nicht in einem Heft, da mir das zu unsicher ist.
Anonym fragte: Ich verspürte den Drang dich wissen zu lassen das deine wunderbaren Wortaneinanderreihungen in mir ein Gefühl vom -nichtalleinsein- auslösen und die Texte übers Verliebtsein ein -verstandenwerden- in mir auslösen das mich zur glücksehligkeit leitet 1
Anonym fragte: 2 und ich verkrieche mich gar zu gern in deinen Texten und während ich dem hierundjetzt entfliehe schreit's in mir 'mehrmehrmehr', weil deine Worte unwahrscheinlich schön sind und mir wahnsinnig ans Herz gehen.
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Das war eine wunderbare Nachricht. Ich danke dir.
Als ich mir die Wange an einem Bügeleisen verbrannte und ein leuchtend roter Striemen davon zurückblieb, der allmählich zu einer weißen Narbenwulst wurde, sagten sie mir, das würde verschwinden, bevor ich heirate, und ich nehme an, damit haben sie Recht, allerdings nur, weil ich nie heiraten werde und nicht, weil die Wunde je verblassen würde.
Als der Körper meines Vaters von einem fremden Wagen zerteilt wurde, sagten sie mir, er sei jetzt an einem besseren Ort, aber ich erinnere mich daran, wie er mir einmal erklärte, er könne nicht glücklicher sein als hier, mit meiner Mutter und mir, in seinem selbst gebauten Haus, also was soll das für ein Ort sein, an dem er nun ist, wenn sein verrottendes Skelett nie wieder die Wärme meiner Mutter spüren kann?
Als ich meine erste Beziehung führte, sagten sie mir, wir wären ein wunderbares Paar und ich nickte und ich nickte immer noch, als er meinen Kopf auf den Fußboden drückte, mir den linken Arm brach und noch etwas anderes dazu, das ein Mensch anscheinend braucht, um lachen zu können.
Als ich zum ersten Mal nach dem Aufwachen an Krankenhauswände blickte, sagten sie mir, es würde alles wieder gut werden, aber mein Körper scheint das eigene Leben wie eine Infektion abzustoßen und immer wieder lande ich in Stahlbetten, über deren Matratze ein Schlauch zum Tropf hin läuft.
Manchmal sagen sie mir, sie würden mich lieben und wie soll man das noch glauben, wie könnte so etwas jemals wahr werden?
Anonym fragte: Und jetzt verstecke ich mich hinter der Anonymität weil die Feigheit und Unsicherheit an mir ziept und pickt. Du erweckst in mir den Wunsch, selbst Gedanken in Worte fassen zu wollen und damit bist du der ganze Mensch der 1 3/4 Menschen dieses Jahr. Aber jetzt werde ich dich weiter lesen und den Gedanken verwerfen. :)
Ooh, danke, du Lieber. Ich weiß gar nicht, wie ich ausdrücken soll, was es in mir macht, wenn anderen Menschen mein Geschreibsel gefällt. Lies so viel du magst und schreib noch viel mehr, wenn du magst, fass’ es alles in Worte, selbst wenn es andere sind, als du ursprünglich vorhattest.
Aber ich befürchte, ich verstehe dich nicht recht: “der ganze Mensch der 1 3/4 Menschen”? Vielleicht bin ich im Moment etwas schwer von Begriff~